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Endlich Nichtraucher!
Unsere selbstlosen Retter


Dank der Anti-Raucher-Kampagnen quer über den ganzen Globus ist Raucherentwöhnung ein weltweites Milliardengeschäft. Medikamente, Nikotinersatz, Kurse, Bücher, Seminare, Therapeuten ... Heerscharen von fleißigen Helfern warten darauf, dass wir, von der Raucherhatz zermürbt, ihre Dienste in Anspruch nehmen. Sogar Hustenbonbons* werden plötzlich als Hilfsmittel für den Rauchstopp angepriesen, in der Hoffnung, von dem vielen Geld, das dabei verdient wird, auch etwas abzubekommen. In den Stellenteilen der Zeitungen nimmt die Suche nach Seminarleitern für Raucherentwöhnungskurse kein Ende. Monatliche Einnahmen in fünfstelliger Höhe werden ihnen versprochen.


Was wird eigentlich aus den Beschäftigten in dieser Branche, wenn sie erst einmal alle Raucher "von ihrer Sucht befreit" hat? Ganz genau. Die werden dann alle arbeitslos. Und genau deshalb haben sie in Wirklichkeit auch gar kein Interesse daran, dass wir alle Nichraucher werden.
 

Die weitaus meisten Ex-Raucher, nämlich 87 Prozent*, haben weder Kurse besucht noch Mittelchen geschluckt, noch sonst eines der Hilfsmittel genutzt, mit deren Hilfe man angeblich mühelos seines Lasters ledig wird. Sie haben eines Tages einfach beschlossen, mit dem Rauchen aufzuhören, und dann haben sie damit aufgehört. Bei manchen war das mit einem mühsamen Kampf verbunden, aber es gibt doch auch erstaunlich viele Ex-Raucher, die von sich behaupten, das sei nicht einmal weiter schwierig gewesen. Fragen Sie also nicht die Leute, die schon ein halbes Dutzend Rauchstopps hinter sich haben, aber jetzt doch wieder rauchen. Fragen sie lieber diejenigen, deren letzte Zigarette schon ein paar Jahre zurückliegt, wie sie das gemacht haben, um herauszufinden, auf welche Weise man am besten das Rauchen für immer einstellt. Erkundigen Sie sich in Ihrem Freundeskreis. Vermutlich werden Sie nicht einen einzigen unter den langjährigen Ex-Rauchern finden, der Geld für irgendwelche Entwöhnungsmaßnahmen oder -produkte ausgegeben hat.

Spaßbefreit wie Tubenkonzentrat

Das ist aber auch kaum verwunderlich, denn die meisten dieser Mittelchen taugen nicht viel. Nikotinpflaster und -kaugummis zum Beispiel haben auf die Mehrheit der Raucher so gut wie überhaupt keine Wirkung, das hört und liest man nicht nur von denen, die es ausprobiert haben: Es kam sogar schon in wissenschaftlichen Versuchsreihen* heraus. Dabei ist der Gedanke hinter solchen Produkten auf den ersten Blick so einleuchtend: Wenn Raucher süchtig nach Nikotin sind, dann müssten sie ihr Suchtmittel ja nicht unbedingt inhalieren, sondern könnten es genauso gut auf andere Weise konsumieren. Und der Gedanke, gerade Kaugummis mit Nikotin zu kombinieren, hat dabei sogar etwas ganz besonders Bestechendes: Seit Jahrzehnten sind ja gerade Kaugummis schon ein beliebtes Hilfsmittel angehender Ex-Raucher. Trotzdem funktioniert das mit den Nikotinkaugummis bei den meisten, die sie ausprobieren, aber nicht so, wie es die Werbung behauptet.

Verwundern kann das nur diejenigen, die fest daran glauben, dass Raucher vor allem deshalb rauchen, um Nikotin aufzunehmen. Jedem Raucher ist dagegen klar, dass eine Zigarette sich durch ein Nikotinersatzpräparat allenfalls so weit ersetzen lässt, wie man auch ein festliches Menü durch ein Tubenkonzentrat ersetzen kann, das genau dieselben Nährstoffe enthält: Beides ist restlos spaßbefreit.

Rauchverbot und Nikotinersatz

Ohnehin haben Nikotinpflaster und -kaugummis längst eine zweite und viel größere Zielgruppe als die Leute, die mit dem Rauchen aufhören wollen. Sicherlich haben Sie auch schon diesen Werbespot für Nikotinkaugummis gesehen. Sie wissen schon: den mit dem armen Süchtigen, der sich bei Wind und Wetter zum Rauchen rausquälen muss, während sein Kollege zufrieden im warmen, gemütlichen Büro weiterarbeitet. Auffallend häufig findet sich Werbung für dieselben Produkte praktisch überall, wo es um Bahn- oder Flugreisen geht. Aber es kommt noch besser: In einer Talkshow* im Bayerischen Fernsehen wurde wahrhaftig sogar vorgeschlagen, die Zigarettenautomaten in den Bierzelten auf dem Oktoberfest durch Automaten mit Nikotinkaugummis zu ersetzen. Von einer Ärztin, noch dazu einer, die aus dem Fernsehen wohlbekannt ist! Ein Schelm, der sich fragt, ob sie sich bewusst war, wessen Kassen das zum Klingeln bringen würde.

Am eindeutigsten wird die eigentliche Zielgruppe für solche Produkte durch die Werbung eines namhaften Herstellers von Nikotinersatzprodukten, der wahrhaftig beim Wiener Opernball 2007* eine Servicestation für unter dem dort geltenden Rauchverbot leidende Raucher einrichtete.
Raucherentwöhnung als Gesundheitsrisiko

Wer das Rauchen aufhören will, spielt mitunter sogar mit seinem Leben. Ein angebliches "Wundermedikament",* das in den letzten Monaten auch durch begeisterte scheinbare Medienberichte, in Wirklicheit wohl verkappte Werbung, bekannt wurde, ist in die Schlagzeilen geraten, weil zu seinen Nebenwirkungen Alpträume und Gemütsverdüsterungen bis hin zur Selbstmordgefahr zählen; es werden bereits mehrere Todesfälle damit in Verbindung gebracht. Die Stiftung Warentest* hob bei diesem Medikament eine im Vergleich zu anderen Raucherentwöhnungsmitteln deutlich bessere Erfolgsquote von sage und schreibe 22 Prozent hervor. Angesichts der Risiken, die mit der Einnahme verbunden sind, ist das mehr als bescheiden. Wem es tatsächlich nichts ausmachen sollte, mit seinem Leben zu spielen, der hat, realistisch betrachtet, mehr davon, einfach weiterzurauchen.
So richtig zufrieden scheinen die Raucher damit aber nicht gewesen zu sein. Im Jahr 2008* jedenfalls gab es beim Opernball wieder einen Raucherbereich. Nikotinkaugummis und ähnliche Produkte werden, das ist offensichtlich, neuerdings von ihren Herstellern weniger als Unterstützung angeboten, um mit dem Rauchen aufzuhören, sondern vor allem, um erzwungene Rauchpausen zu überbrücken.

Je mehr Rauchverbote, desto besser also für die Hersteller von Nikotinersatz. Aber wäre es dann eigentlich auch besser für sie, wenn immer weniger Leute rauchen?

Wie Sie sehen, führt kein Weg an der Einsicht vorbei, dass unsere selbstlosen Retter erstens gar nicht so selbstlos sind und zweitens viel mehr davon haben, wenn sie uns nicht dauerhaft retten können. Aber es kommt noch besser: Neuerdings geben sie sich nicht mehr damit zufrieden, möglichst vielen von uns das Geld aus der Tasche zu ziehen. Jetzt wollen sie auch noch Zugriff auf die Beitragsmilliarden der Krankenversicherungen*. Rauchen, diese gar teuflische Sucht, sei nun einmal eine Krankheit, so sagen sie. Und für die Behandlung von Krankheiten müsse dann auch die Krankenkasse bezahlen.

Die teure "Suchtbehandlungs"-Mühle

Das hört sich auf den ersten Blick so harmlos an, für manche vielleicht sogar verlockend, nicht mehr selbst Geld ausgeben zu müssen, um einen "Endlich Nichtraucher"-Kurs zu bezahlen. Aber Vorsicht, böse Falle: Das kostet die Krankenkassen, erstens, auch eine ganze Menge Geld. Dann zahlen alle, Raucher wie Nichtraucher , höhere Beiträge - denn so erfolglos, wie diese Entwöhnungs-Programme nun einmal sind, kann man damit rechnen, dass jeder Raucher, der sich nicht mit Händen und Füßen dagegen wehrt, mindestens alle ein, zwei Jahre durch die "Suchtbehandlungs"-Mühle gedreht wird.

Und wer wird das Geld, das uns allen damit aus der Tasche gezogen wird, am Ende eingestrichen haben? Na klar: Die "Seminarleiter". Die Therapeuten. Die Ärzte selbst natürlich auch. Aber vor allem die Pharmakonzerne, von denen die Mittelchen produziert werden, die die Ärzte dann gefälligst verschreiben sollen. Rauchverbot und Raucherhatz sind für sie fast so gut wie eine Gelddruckmaschine.

Zum zweiten aber - und was das für Folgen haben könnte, sollten wir auch nicht unterschätzen -, können sie auf diese Weise vermutlich die Sache so hindrehen, dass Raucher am Ende wirklich mehr Krankheitskosten verursachen als Nichtraucher. Denn bislang ist genau das Gegenteil der Fall, ob Sie es glauben oder nicht. Aber wie sich die Sache mit den Krankheitskosten und überhaupt dem angeblichen volkswirtschaftlichen Schaden durch das Rauchen wirklich verhält, von dem uns so oft vorgelogen wird: Das ist ein Fall für eine weitere Ausgabe des Schelm.
 

* Zu den Quellenangaben dieses Artikels
 


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