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Eine Geschichte aus Berlin


Neulich saß der kleine Schelm an der Theke seiner neuen Stammkneipe "Zum Eck" und zündete sich seine Feierabendzigarette an. Der Wirt von der "Biege", wo der Schelm vorher Gast war, hatte mehr als 75 qm und für einen Raucherraum war nicht ausreichend Platz vorhanden. Er musste "Nichtraucher" machen - und dann kamen keine Gäste mehr. Und nun ist zu. In die Shisha Bar wollte der Schelm nicht gehen, da gibt es ja kein Bier. Und vor der Tür rauchen macht keinen Spaß. Außerdem schimpfen dann immer die Nachbarn über den Lärm auf der Straße.

Berliner Gaststätten dürfen einen Raucherraum einrichten, wenn dieser weniger Sitzplätze als der Hauptraum aufweist und über schließbare Türen verfügt. Der Eingangsbereich der Gaststätte sowie der Weg zu den Toiletten müssen rauchfrei sein. In solcherart ausgestatteten Gaststätten dürfen Speisen und Getränke in vollem Umfang (also auch im Raucherbereich!) serviert werden.

Essen? Iss nich!

"Hunger hab ich", meint der Schelm. "Iss nich!", sagt Gisela, seine neue Stammwirtin. "Das hier ist eine Einraumkneipe, da bekommst du höchstens ein paar Nüsse. Du kannst dir aber von Ismett nebenan etwas bringen lassen - das ist nämlich nicht verboten."

Gemäß Berliner Nichtraucherschutzgesetz gelten folgende Vorgaben für Einraum-Raucherkneipen: Keine "Verabreichung vor Ort zubereiteter Speisen", kein Zutritt für Personen unter 18 Jahren sowie eine Kennzeichnung als Rauchergaststätte im Eingangsbereich. Der Gastraum darf einschließlich Tresenbereich nicht größer als 75 qm sein.

All das hört sich schon sehr befremdlich an. Warum darf der Wirt einer Raucherkneipe für seine Gäste keine Speisen zubereiten, sich diese jedoch anliefern lassen? Trotz aller Seltsamkeiten haben sich der Schelm und seine Wirtin jedoch inzwischen daran gewöhnen müssen.

In anderen Bundesländern sieht es sehr unterschiedlich aus

"Wolltest du nicht dieses Jahr nach Bayern in den Urlaub fahren?", fragt der kleine Schelm. "Fällt aus", erwidert die Wirtin. "Dort herrscht ja nun totales Rauchverbot. Mein Oller will lieber nach Hamburg auf den Kiez, da kann er wenigstens an einigen Stellen seine Pfeife rauchen, nachdem dort die Antiraucher ihr Volksbegehren aufgegeben haben".

In Bayern wurde im Jahr 2010 per Volksentscheid mit nur 37,7 prozentiger Bürgerbeteiligung ein totales Rauchverbot in der gesamten Gastronomie erzwungen. Anders in Hamburg: Die dortigen Antiraucher haben ihr Begehren im Januar 2011 aufgegeben, nachdem sich herausgestellt hatte, dass die Hansestädter keinerlei Interesse an einer solchen Gängelung zeigten.

Wie geht es weiter in Berlin?

Reinhard, der grüne Sachbearbeiter aus dem Ordnungsamt, mischt sich ein: "Auch wenn die Berliner »Nichtraucherinitiative« mit ihrer Unterschriftensammlung nichts erreicht hat - wartet mal ab, sie wird auch nach der Wahl versuchen, die ganze Stadt rauchfrei zu machen!" - "Und wo bitte rauchst du dann deine selbstgebauten Kräuterzigaretten?", fragt der kleine Schelm lakonisch zurück. Reinhard erwidert: "Die enthalten doch keinen Tabak und deshalb darf ich sie überall rauchen." - "Aber bei der heutigen Verbotswut wird es dich sowieso demnächst erwischen, da kannst du sicher sein.", antwortet der kleine Schelm.

Reinhard hat recht: Das Berliner Nichtraucherschutzgesetz behandelt ausschließlich den Rauch aus Tabakprodukten.
Aber auch in Berlin versucht die Anti-Genuss-Lobby, mittels Volksinitiative ein absolutes Rauchverbot durchzudrücken.

"Genau!", meint Gisela, "in Berlin ist nicht mal mehr jedes zehnte Lokal eine Raucherkneipe, jetzt reicht es! Sollen die Antiraucher doch in ihre eigenen Gaststätten gehen, wo sie sich nicht belästigt fühlen und uns die paar Raucherkneipen oder Raucherräume lassen."

Die Berliner Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher - übrigens selber Raucherin - verlautbarte im Juli 2010: "Von den über 7.000 Gaststätten sind weniger als 10 Prozent Raucherkneipen".

Die Passivrauchlüge

"Apropos belästigt", sagt der Schelm, "dass übermäßiges Rauchen nicht gesund ist, weiß ja jedes Kind - bisher hat jedoch auf der ganzen Welt noch niemand nachweisen können, dass auch der Passivrauch tatsächlich gefährlich ist. Die angeblichen Krebsforscher nörgeln zwar immer noch auf ihren 3.301 Passivrauchtoten pro Jahr herum, aber das ist längst schon kalter Kaffee." Da gibt Reinhard kleinlaut zu: "Okay, bei dieser Studie hat sich das Kollaborationszentrum für Tabakkontrolle wirklich in den eigenen Finger geschnitten. Wie kann man nur bei einer solchen Studie 66 Prozent alte Menschen über 75 Jahren als Testpersonen auswählen. Unglaublich."
"Ich frage mich sowieso, wieso ein »Forschungszentrum«, das mit unseren Steuern bezahlt wird, eine solche Politik machen kann. Dürfen die denn das überhaupt?", fragt Gisela. "Nun", meint der kleine Schelm, "ich bin mir auch sicher, dass diese einseitige Beeinflussung der Öffentlichkeit mit Hilfe von Steuergeldern nicht durch Gesetze gedeckt ist".

Zur Passivrauchlüge des "Kollaborationszentrums für Tabakkontrolle" ist ein gesonderter "Schelm" verfügbar: Märchen aus 3301 Nacht

Tabaksteuer versus Rauchverbote

"Ich finde", stimmt nun auch Reinhard wieder ein, "dass man den Tabakgenuss entweder ganz erlauben oder ganz verbieten sollte, aber das trauen sich unsere Oberen nicht." Der Schelm fragt zurück: "Weißt du, wie hoch die Tabaksteuereinnahmen sind? Ich sag's dir: In jedem Jahr ungefähr 14 Milliarden Euro! Sie ist damit die zweithöchste deutsche Ertragssteuer hinter der Mineralölsteuer mit circa 41 Milliarden. Nun stell dir mal vor, dir sagt jemand, du darfst zwar tanken, jedoch mit deinem Auto nur im Garten im Kreis fahren. Und zwar möglichst oft, damit du recht viel verbrauchst." Nun meint Gisela: "Und genau das wird doch gerade mit den Rauchern gemacht: Steuern sollen sie viel bezahlen - aber rauchen dürfen sie fast nur noch zu Hause!"

Tolerantes Miteinander von Nichtrauchenden und Rauchenden in Berlin

Und die Wirtin setzt fort: "Ich freue mich, wenn auch Nichtraucher hier ins »Eck« kommen. Viele Raucher bringen Freunde mit und können ungestört mit ihnen zusammensitzen. Meine Kneipe hat eine Lüftung, und bisher hat sich noch kein Nichtraucher über »dicke Luft« beschwert. Im Gegenteil: Sie freuen sich, dass die Raucher nicht dauernd vor die Tür laufen und man so ungestört den Abend miteinander verbringen kann. Und die Nachbarn haben nachts Ruhe auf der Straße. So hat doch jeder etwas davon, oder?"
Der kleine Schelm zündet sich eine letzte Zigarette an, bezahlt und sagt im Hinausgehen: "Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift. Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist - das hat schon der große Mediziner Paracelsus im 16. Jahrhundert gewusst. In diesem Sinne, bis bald mal wieder in unserer Lieblingskneipe!"
 


Was wollen die Berliner Parteien?
»Versprechen« zur Abgeordnetenhauswahl am 18. September 2011

Ein Blick in Programme und auf Aussagen Berliner Politiker kann helfen, die richtige Wahl zu treffen: Gegen Verbote, staatliche Regulierung und Raucherdiskriminierung.

CDU:

Bei der Festlegung von 100 Schwerpunkten wurden - erstmals in Berlin - Bürger beteiligt. Man darf also davon ausgehen, dass jene Probleme, die nicht erwähnt werden, weder für den Berliner noch für die CDU eine Rolle spielen. Rauchverbote, "Nichtraucherschutz", "Gefahren des Passivrauchens" - nicht einmal die "Belästigung der Nichtraucher" werden erwähnt. Allein in der Ergänzung zum Schwerpunkt 87 wird "fehlende Kontrolle bei der Einhaltung des Nichtraucherschutzgesetzes" genannt.

Fazit: Keine konkrete Aussage. Hält man sich den Weg für eine Koalition mit den GRÜNEN offen?

SPD:

Ähnlich bei der SPD: Kein Wort zu Rauchverboten im Programm. Dagegen wird der Alkohol in Verbindung mit Jugendschutz und Flatratepartys erwähnt, auch mit einem Hinweis auf Präventionsprogramme: "Sie sollen junge Menschen stärken und sie befähigen, »Nein« zu Suchtmitteln aller Art sagen zu können." Anders sieht es der gesundheitspolitischen Sprecher der SPD: "Mit der SPD-Fraktion ... wollen wir nicht eine Stigmatisierungsdebatte führen, die jeden Raucher in der Öffentlichkeit per se quasi kriminalisiert". Er sagt aber auch: "Nach den Wahlen wird man dann mit dem jeweiligen Koalitionspartner schauen, wo man noch mal nachjustiert".

Fazit: Auch keine konkreten Aussagen. Es ist zu befürchten, dass Rauchende doch stigmatisiert werden, wenn Zugeständnisse an den Koalitionspartner nötig werden.

Die Linke:

Im Wahlprogramm heißt es: "Der Nichtraucherschutz hat für uns weiterhin hohe Priorität. Aufgrund der guten Erfahrungen mit dem Berliner Nichtraucherschutzgesetz treten wir für weitere Schritte zum Schutz vor dem Passivrauchen in der Öffentlichkeit ein."

Fazit: Das lässt nichts Gutes erwarten.

Bündnis 90 / Die Grünen:

Im Wahlprogramm steht: "Wir treten für einen konsequenten Nichtraucherschutz ein. Der Schutz vor dem Passivrauchen muss erweitert werden. Dazu gehören auch ein konsequenter Arbeitsschutz in den Krankenhäusern ... der Gastronomie ... ein Rauchverbot für Kinderspielplätze ..." Das ist überdeutlich.

Fazit: Wer den Grünen seine Stimme gibt, wählt das ABSOLUTE Rauchverbot in Berlin. Auch wenn die Grünen der kleinere Koalitionspartner werden, wird es weitere Rauchverbote geben.

FDP:

In ihrem Parteiprogramm finden wir: "Staatliche Bevormundung und die Tendenz des rot-roten Senats, immer mehr zu regeln, zu reglementieren und zu verbieten, muss ein Ende haben ... unnötig hohe Einschränkungen der Eigenverantwortung (»Nichtraucherschutzgesetz«) ... stehen beispielhaft für diese Entwicklung. Liberale Politik bedeutet ..., auf die Verantwortlichkeit und die Initiative jedes Einzelnen zu setzen."

Fazit: Man kann nur wünschen, dass die FDP eine möglichst gute Basis erreicht, ihre Position im nächsten Landesparlament einzubringen ...

 


Texte und Textzusammenstellung: Aktionsbündnis »Berlin genießt!«
Ein Zusammenschluss von
Initiative für Genuß Berlin e. V. | www.genussinitiative-berlin.de
Rauchen in Rixdorf e. V. | www.rauchen-in-rixdorf.de
Ostdeutscher Pfeifenraucherverband | www.vdp-ost.de
Tabakskollegium Berlin | www.berliner-tabakskollegium.de
Bund mündiger Bürger - Landesverband Brandenburg | www.bmb-brandenburg.de
 


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